Bingen 01.04.2026: „Wir lernen aus der Geschichte, dass wir überhaupt nichts lernen“, stellte der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel einst fest. Ökonomierat Ingo Steitz widersprach diesem provokanten Zitat bei seinem Vortrag über die Zukunft des Weinbaus beim Lions Club Bingen entschieden. Viele Weinbaubetriebe hätten über Generationen hinweg aus der Vergangenheit gelernt und das Kulturgut Wein kontinuierlich weiterentwickelt.

Der ehemalige Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen und Vizepräsident des Deutschen Weinbauverbandes verdeutlichte anhand zahlreicher Gesetzesänderungen und Statistiken die aktuellen Herausforderungen für die Winzerschaft. So ist der Weinkonsum in Deutschland zwischen 2016 und 2023 von 21 auf 19 Liter pro Kopf und Jahr gesunken. Gleichzeitig schreitet der Strukturwandel voran: Die Zahl der Weinbaubetriebe ging von 2010 bis 2023 um rund 30 Prozent zurück. Während insbesondere kleinere Betriebe aufgeben, wächst die Zahl größerer Betriebe mit mehr als 20 Hektar Fläche.

Steitz betonte, dass sich Betriebe heute nur noch mit hoher Qualität sowie effizienten Produktions- und Vertriebsstrukturen am Markt behaupten können. Neben dem veränderten Konsumverhalten stellen vor allem steigende Produktionskosten, die höchsten Mindestlöhne im Wettbewerb mit anderen EU-Anbaugebieten sowie zunehmende Bürokratie die Winzer vor große Herausforderungen.

Gleichzeitig zeigte sich Steitz zuversichtlich: „Viele junge, gut ausgebildete Winzer stellen sich diesen Anforderungen und engagieren sich für ein Kulturgut, das nicht nur unsere Kulturlandschaft prägt, sondern auch für Lebensqualität und Identität steht.“

In der anschließenden Diskussion wurden auch Chancen alkoholfreier Weine und Sekte thematisiert. Deren Herstellung erfordert jedoch zusätzliche technische Verfahren, die sich wirtschaftlich meist erst bei größeren Absatzmengen darstellen lassen.

Zum Abschluss dankte der Präsident des Lions Club Bingen, Jörg Berres, dem Referenten für einen hochinteressanten Abend. Mit seinem langjährigen Engagement, ausgezeichnet unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Ernennung zum Ökonomierat, zählt Steitz zu den prägenden Persönlichkeiten des Weinbaus in Rheinland-Pfalz.