Bingen, 21.01.2026: Der Unternehmer und Berater Dr. Jörg Straßburger aus Münster-Sarmsheim ist seit mehr als 20 Jahren mit Leidenschaft und Erfolg in Indien tätig. Im Lions Club Bingen schilderte er seine Erfahrungen, die von viel Licht und vergleichsweise wenigen Schatten geprägt sind. Europa blicke in diesen Tagen zu Recht nach Osten – auf ein riesiges Land mit rund 1,4 Milliarden Menschen und einem bemerkenswert niedrigen Durchschnittsalter von etwa 29 Jahren. Vor über zwei Jahrzehnten führte ihn sein beruflicher Weg als Führungskraft im Unternehmen Lanxess nach Indien. Beim Bau eines Chemiewerks lernte er das größte demokratische Land der Welt auch von der Seite seiner bürokratischen Herausforderungen kennen. Diese erschienen ihm jedoch im Vergleich zu Europa überschaubar und im Dialog meist lösbar. Auch die unterschiedlichen politischen Kräfte im Vielvölkerstaat Indien spielten dabei eine Rolle. Mitunter werde mehr versprochen, als letztlich gehalten werden könne. Auf das Rechtssystem sei jedoch im Zweifel Verlass, betonte Dr. Straßburger.
Für ihn überwiegen die wirtschaftlichen Vorteile Indiens deutlich. Die Baukosten lägen selbst bei gehobenen Standards um bis zum Faktor zehn unter denen in Deutschland. Hinzu komme eine außergewöhnlich hohe Arbeitsmotivation in dem jungen Land. Diese positiven Erfahrungen hätten ihn schließlich dazu bewogen, sich als selbstständiger Unternehmer mit dem Schwerpunkt Indien zu etablieren. Seit 2015 organisiert er für westliche Unternehmen Kontakte und Geschäftsbeziehungen in Indien. Auf Nachfrage der Lions hob Straßburger insbesondere die gute theoretische Ausbildung vieler junger Menschen hervor. Zudem seien Freundlichkeit, eine positive Grundeinstellung und eine hohe Arbeitsbereitschaft prägend für die Zusammenarbeit mit indischen Partnern. Indien werde in wenigen Jahren nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sein. Zugleich bleibe das Land ein Ort großer Gegensätze. Die relative Armut habe durch ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum deutlich reduziert werden können. Dennoch müssten viele Menschen weiterhin mit umgerechnet etwa acht US-Dollar pro Tag auskommen. Die sozialen Sicherungssysteme seien stark fragmentiert und mit dem deutschen Sozialversicherungssystem nicht vergleichbar.
Unter dem Strich stand ein klares Fazit: „Indien ist wirklich unglaublich.“ Man müsse das Land jedoch verstehen und seine Vielfalt lieben, um dort erfolgreich zu sein, betonte Dr. Straßburger abschließend.

Dr. Jörg Straßburger und Jörg Berres

