Bingen, 14.10.2026: Prof. Simon Duque Antón von der TH Bingen sprach beim Lions Club Bingen über Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz (KI). Vor zahlreichen Lions-Freunden zeichnete Prof. Duque Antón die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz von ihren Anfängen in den 1950er-Jahren über wichtige technologische Meilensteine bis hin zu selbstlernenden Systemen nach. Im Mittelpunkt standen die Möglichkeiten, aber auch die Risiken einer Technologie, die zunehmend unseren Alltag und die Arbeitswelt verändert.
Unter KI versteht man die Fähigkeit von Maschinen, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität nachzuahmen. Der spannende Vortrag führte nicht nur zu zahlreichen Verständnisfragen, sondern auch zu besorgten Nachfragen über mögliche gesellschaftliche Folgen.

Prof. Simon Duque Antón
Einen wichtigen Meilenstein markierte 1997 der Sieg des IBM-Schachcomputers Deep Blue über den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow. Mit der Entwicklung der sogenannten Transformer-Architektur im Jahr 2017 wurde eine wesentliche Grundlage für moderne Sprachmodelle geschaffen. Anwendungen wie ChatGPT, das Ende 2022 veröffentlicht wurde, sind inzwischen für viele Menschen zu alltäglichen Informationsquellen und Arbeitsmitteln geworden.
Mit der Auswertung großer Datenmengen auf der Grundlage regelbasierter Zusammenhänge und statistischer Wahrscheinlichkeiten kann die KI den Inhalt von Fragen erkennen, passende Antwortvorschläge aufbereiten, Texte überarbeiten und geeignete Wörter finden. Die Leistungsfähigkeiten der KI nehmen mit der permanent steigenden Rechenleistung, der Datenmengen und verbesserten Lernverfahren enorm zu. Dies ermöglicht die Entwicklung immer leistungsfähigerer KI-Systeme, die aus Daten lernen und auch komplexe Aufgaben bewältigen können, erläuterte Prof. Duque Antón.
Wie bei vielen technologischen Entwicklungen können diese Fähigkeiten zum Nutzen, aber auch zum Schaden des Menschen eingesetzt werden. Besonders große Chancen sieht der Referent beispielsweise in der Medizin und Pharmazeutik. KI kann bereits heute die medizinische Diagnostik verbessern, neue Zusammenhänge zwischen Krankheitsursachen erkennen und die Entwicklung von Medikamenten unterstützen. Auch enorme industrielle Datenmengen und Erfahrungen wie in Deutschland bieten große Einsatzmöglichkeiten für neue industrielle Anwendungen und Produktivitätssteigerungen.
Kein Wunder, dass einige Lions-Freunde die möglichen Auswirkungen auf bestehende Arbeitsplätze ansprachen. Ähnlich wie bei der Automatisierung vor einigen Jahrzehnten würden bestimmte Tätigkeiten künftig von KI-Systemen übernommen werden, so Prof. Duque Antón. Gleichzeitig könnten durch den Einsatz der KI und die damit verbundenen Innovationen neue, hochproduktive Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt schätzte er die Chancen größer ein als die Risiken.
Intensiv diskutiert wurden auch die Gefahren eines möglichen Missbrauchs. So könnten KI und Gesichtserkennung zur flächendeckenden Überwachung von Bürgerinnen und Bürgern im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Auch der militärische Einsatz autonomer KI-Systeme und die Warnungen führender Vertreter der KI-Branche gaben Anlass zu kritischen Fragen.
Prof. Duque Antón sprach sich deshalb für internationale Regeln und eine wirksame menschliche Kontrolle der KI aus. In Europa seien mit der Regulierung von KI-Systemen bereits wichtige Schritte eingeleitet worden. Entscheidend sei, dass der Mensch auch künftig die Kontrolle behalte und die Verantwortung für wesentliche Entscheidungen trage. KI müsse als technisches Hilfsmittel dem Wohl der Menschen dienen.
Nach einem intensiven Gedankenaustausch dankte Lions-Präsident Stefan Wienand Prof. Duque Antón für einen hochinteressanten Abend, der den Teilnehmern zahlreiche neue Erkenntnisse und Denkanstöße vermittelte.

